Die "Konstantin Wecker - Sache" 

29.11.2025


In den letzten Tagen werde ich immer wieder auf die „Konstantin Wecker-Sache“ angesprochen.

Ich habe länger darüber nachgedacht, ob und wenn ja, wie ich mich dazu äußern sollte.

Es ist - wie einige von euch wissen – ein schwieriges Feld für mich, weil ich Musik unter Konstantin Weckers Label veröffentlicht habe.

Aber nachdem ich der Meinung bin, dass es sehr wichtig ist, eine klare Haltung zu haben und diese dann auch in Real zu leben – wäre es für mich einfach völlig falsch, mich gar nicht dazu zu äußern.


Vor etwa drei Jahren kam ich zu Konstantin Weckers Label.

Für mich war das ein großer Erfolg: Ich habe Konstantin getroffen, mit ihm über Songwriting gesprochen, durfte bei Konzerten von ihm spielen. Meine beiden EPs sind unter seinem Label erschienen und ich habe mit ihm persönlich nur positive Erfahrungen gemacht. Ich habe ihn als sehr freundlich und zugewandt erlebt. Alles auf professioneller Ebene.


Das steht selbstverständlich in keiner Weise im Widerspruch zu dem, was die betroffene Frau erlebt hat.


Als die Vorwürfe öffentlich wurden, hat mich das geschockt und sehr beschäftigt.

Ich habe so gut wie alles darüber gelesen, um zu begreifen und einzuordnen zu können, was da vorgefallen ist.

Es ist ein seltsames Gefühl, wenn so etwas über eine Person bekannt wird, mit der man zu tun hatte und somit einen Bezug zu ihr hat.


Der erste Reflex, für einen kurzen Moment, ist, es nicht glauben, eine mildernde Erklärung dafür finden zu wollen, auf ein Missverständnis zu hoffen.

Doch sofort, einen Moment später, kommt die Erkenntnis: Doch so ist es.


Besonders bewegt mich, dass die betroffene Frau ungefähr gleich alt ist wie ich.

Besonders ernüchternd ist, was manche Menschen auf Social Media über ein damals 15- oder 16-jähriges Mädchen schreiben. Wo ist die Empathie für eine damals Jugendliche?

Ich nehme an, diese Menschen haben Töchter, Nichten, Schwestern, Freundinnen – und eine Erinnerung daran, wie es ist, 15 oder 16 Jahre alt zu sein - weit entfernt von einem erwachsenen Einschätzungsvermögen.

Der sehr deutliche Lebenserfahrungsvorsprung eines Erwachsenenlebens lag nicht bei ihr.


Vor einiger Zeit – also länger bevor diese Nachrichten öffentlich wurden – habe ich für mich beschlossen, meinen Weg unabhängig von seinem Label weiterzugehen und zukünftig als unabhängige Künstlerin zu veröffentlichen. Das hatte ganz andere Gründe.

Die aktuellen Ereignisse konnten meine Entscheidung also nicht beeinflussen, aber sie geben ihr plötzlich einen ganz anderen Kontext.


Für mich persönlich ist es ein unglaublicher Zwiespalt:

Einerseits bin ich Konstantin Wecker als Musikerin dankbar und finde viele seiner künstlerischen und politischen Positionen noch immer wichtig und richtig.

Andererseits finde ich moralisch verwerflich, was vorgefallen ist.

Beides existiert gleichzeitig: Dankbarkeit und völliges Unverständnis.

Und genau so fühlt es sich an: Widersprüchlich und nicht einfach wegzuwischen.


Für mich als junge Künstlerin, die ihre ersten Veröffentlichungen sehr stolz unter seinem Label herausgebracht hat, ist das sehr bitter. Ein Name, mit dem ich positiv in Verbindung gebracht wurde, steht nun in einem Zusammenhang, der schwer wiegt.